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René Klammer im rrv

Wir kannten uns

Altenbrak

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über "Wir kannten uns"

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Notizen während und nach der Lektüre
von René Klammer: „Wir kannten uns“

von Klaus Hansen

Das Buch erscheint in einer Zeit, da aller Welt eingeredet wird, wie mühelos und easy es heute doch sei, alte Freunde wiederzufinden und neue Freunde zu gewinnen. Dem Internet sei dank! – Wer das Glück sucht, dem hilft auch das Netz nicht.

Das Buch blickt auf eine Zeit zurück, da man glaubte, mit der Kraft des besseren Arguments die Atomkraft besiegen zu können. Eine Zeit, als man noch mit Groschen bezahlte, von der Telefonzelle aus anrief, die Bahn noch Bundesbahn hieß und der Schaffnerbeamte, statt die Terrorabwehr zu alarmieren, auf die Fahrscheinkontrolle verzichtete, weil der Fahrgast gerade ein Nickerchen machte. Es klingt heute so, als sei das aus einem anderen Jahrhundert. Ist es auch. Aber es ist erst 15 Jahre her.

Das Phänomen Glück kann man weder herbeizwingen noch festhalten. „Das Glück ist ein gern gesehener Gast, aber nirgends wirklich zu Hause.“ Das Glück als Erlebnis spürt man oft erst im Nachhinein, wenn der flüchtige Gast bereits wieder gegangen ist. Es ist dann eine in Erinnerung gebliebene Atmosphäre.
Ganz selten, auch im Buch nur zwei-, dreimal, wird das Glück empfunden, wenn es da ist, in Echtzeit gewissermaßen: Dann ist es, was es ist: eine gelöste Fraglosigkeit im Wachzustand. Jene tollen fünf Minuten, in denen selbst die Wolken Ich sagen.

Der Protagonist heißt Frederick. Sein Nachname wird nicht verraten. Vermutlich der ältere Bruder von Holden aus dem Hause Caulfield.

Frederick ist auch mit über 30 ein nach wie vor gefährdeter Junge. Weil er sich weigert, mit der Resignation, die in der allseits anempfohlenen Kompromissbereitschaft steckt, seinen Frieden zu machen.

Das „Wunder von Bernd“ – verbiedern und verspießern im Löschbecken der Kleinfamilie, dazu noch in Serbisch Gladbach – kommt für ihn nicht in Frage.

Und dass er Katharina noch nicht wiedergefunden hat, macht dem Leser Hoffnung – in beiderlei Hinsicht: dass er sie wiederfinden und dass er sie nicht wiederfinden möge. So sympathisch K. ist, so blöd ist sie auch; mit dem andauernden Appell, er möge er selbst sein und konsequent sein, nicht nur Pläne machen, auch Pläne „umsetzen“. – Ist sie Freundin oder Personalentwicklerin?

Ein so keusches Buch!
Ein so „alter“, mitunter sogar feierlicher Ton!
Ein so junger Lebensschwerenöter, der gleichwohl mit Schmiss und gewitzigter Verve zu erzählen weiß!
Ein Könner, der sich auf die Komik von Dialogen versteht. Und sogar Wörter aus dem Verzeichnis gefährdeter Wörter kennt, „Fitzel“ zum Beispiel!

Ein Buch, das ich ungern aus der Hand lege; ein Buch, dessen Lektüre ich auf den letzten 80 Seiten künstlich hinausgezögert habe, um länger etwas von ihm zu haben. Es ist die Stimmung, in die es mich versetzt, die ich mir erhalten möchte. Die Stimmung der „weißen Melancholie“, jenes Gefühl der Vergeblichkeit mit eingebildetem Silberstreif am Horizont. Es ist das Nachhängen an einer Vergangenheit, die mehr versprochen hat, als die Gegenwart bietet – und darum, weil uneingelöst, auch ein Versprechen für die Zukunft ist.

Klaus Hansen

Pulheim (Stommeln), den 20. Februar 2014

PS: Was dem Buch fehlt: Ein „Prophet“, also einer, der in Kultur und Feuilleton etwas zu sagen hat und auf das Buch in Presse, Funk & TV hinweist, es bespricht, es empfiehlt.

[Weitere Infos, Coverfoto und Rezensionsexemplare bitte beim Verlag anfordern: rr-verlag[at]t-online.de]

Coverfoto: © Jürgen Fälchle /
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