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Bert Brune

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BertBruneBlog vom 8. Juli 2018
 

Eine Sommertour

Zu Fuß wohl zu heiß. Also in den Keller, die Räder rausgeholt, ein bisschen Luft auf die Reifen und los. Durch den Wald hinter den Häusern, an dem Tennisplatz vorbei, wo die Akteure keine Scheu haben, in der prallen Sonne hinter dem gelben Ball herzujagen. Dann durch die Felder. Mit den trockenen Ähren, die nur darauf warten, von dem Mähdrescher geschnitten zu werden. Schon dieser Anblick der mit Korn bedeckten Flächen lässt das Herz des Städters höher schlagen. Ein uralter Impuls. Das Land, das die Nahrung bringt, und es gibt auch Kühe auf der Wiese unten am Weg, die ja für Fleisch und Milch zuständig sind.

Weiter geht’s über schmale Pfade durch den Wald, der Schutz bietet, Schutz vor der Sonne. Aber auch was Geheimnisvolles hat, so ein Wald. Hinter den dunklen Stämmen scheint sich immer etwas zu bewegen – ein Tier, ein böser Mensch? Wälder bieten Schutz, Geborgenheit, aber im Hintergrund lauert immer der Feind. Momentan ist aber nur Geborgenheit spürbar, quasi ein Streicheln der Seele, verursacht durch die schwarzen Schatten der Blätter auf dem von der grellen Sonne erstrahlten Boden, Muster, die sich im Wind sanft bewegen und Kontakt aufnehmen zum Wanderer, zum Betrachter. Ein milder Wind, der über die Haut weht, über meine, und auch über die von Gilla, die meist vor mir fährt, deren immer noch schön geformter Hintern sich auf dem Sattel hin und herbewegt. Vertraute Bilder, vertraute Bewegungen, man fühlt sich hier draußen nicht allein, es gibt Freunde, die, falls eine Notsituation entsteht, dir helfen. Denen man aber auch, wie jetzt, die Freude mitteilen kann, wenn man an so einem tollen Sommertag unterwegs ist und über die Eindrücke sich äußern möchte.

Das Ziel zunächst die Fähre. Nicht, dass wir jedes Mal mit dem Schiff rüber nach Zündorf führen, nein, meist bleiben wir auf dieser Seite, sitzen oberhalb auf der Bank, sehen dem Treiben am Ufer zu. Sehen zum Beispiel Heiko, den Fährmann, der seit über 30 Jahren Tätigkeit nun endlich einen Nachfolger gefunden hat, wie wir in der Zeitung lasen. – Vielleicht sogar zwei Nachfolger, denn die beiden Schiffe fahren, aber Heiko steht unten am Ufer, bückt sich, sucht etwas im Gras, und wir erkennen, er hat kleine blaue Beeren auf der Hand, streckt sie sich in den Mund. Geht dann weiter, weg von der Anlegestelle, über den Steg, betritt sein Hausboot, verschwindet dann, ein wenig hüftsteif, ein wenig eingesunken, ein wenig grau und knochig geworden, in seinem Domizil. Nächsten Monat soll er endgültig, heißt es, dem Rhein den Rücken kehren, in die Eifel ziehen. Wird er, der wassergewohnte, menschenumsorgende Schiffer, dort glücklich? Wird es reichen, einen kleinen Garten, den er sicherlich hat, zu bewirtschaften, oder in einer Scheune, ausgebaut als Werkstatt, zu werkeln und zimmern und basteln, wie er es auf seinem Kahn am Rhein zu tun pflegte? Wird er dort auch einige Leute finden, denen er seine Ideen, seine Sicht der Welt wortreich ausbreiten kann, was er gerne macht, wenn seine Passagiere entsprechende Fragen stellen?

Wir hoffen es. Wir beide da oben auf der Bank, die wir ja oft auf dem Weg nach Süden hier unsere erste Pause einlegen und uns Gedanken machen, wir wünschen also Heiko, dem Fährmann, alles Beste für die Zukunft.

Weiter geht’s dann über die Uferstraße bis zu den Auen, und bald rechts hoch zum Ortszentrum. Wir trinken im Marano gemächlich unseren Cappuccino, blättern in den vielen ausliegenden Zeitungen und Illustrierten, werfen uns hin und wieder einige Sätze zu. Entspannung ist angesagt, die wir nach der Fahrt durch die Felder, die Wälder, am Rhein entlang in diesem Eiscafé, wie oft das Ziel unsere Tour, schnell finden.

 

© Bert Brune 2018.

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